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Coronavirus: So geht es den Car- und Ridesharing-Anbietern – ein Überblick

Die Trennwände aus Kunststoff werden mit Kabelbindern an den Kopfstützen befestigt. Credit: FreeNowDie Trennwände aus Kunststoff werden mit Kabelbindern an den Kopfstützen befestigt. Credit: FreeNow

Die Coronavirus-Pandemie hat das Mobilitätsverhalten der Menschen grundlegend verändert: Der Pendler-Verkehr ist zum erliegen gekommen, Dienstreisen finden nicht mehr statt und am Wochenende wird nicht mehr mit dem Auto ins Grüne gefahren.

Innerhalb weniger Tage ist damit eine komplette Branche zum Erliegen gekommen. Der Mobilitätsforscher Andreas Knie vom Wissenschaftszentrum in Berlin zeichnet in einem Interview ein düsteres Bild und prophezeit sogar den Untergang für alle nicht-öffentlich finanzierten Mobilitätsdienstleister – sofern sie an ihren Konzepten nichts verändern.

Doch wie gehen Car-und Ridesharing-Anbieter mit der neuen Situation um? Was bedeutet die Corona-Pandemie wirtschaftlich für die Unternehmen? MOViNC hat nachgefragt.

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie:

  • Ridesharing-Anbieter:
    • FreeNow
    • CleverShuttle
    • MOIA
    • Uber
  • Carsharing-Anbieter:
    • Miles
    • WeShare
    • Cambio

FreeNow zu den Auswirkungen des Coronavirus:

  • Ein Sprecher von FreeNow erklärt gegenüber MOViNC “einen klaren Rückgang der Nachfrage in allen Märkten seit den drastischen Maßnahmen in dieser und in der letzten Woche.”
  • Dennoch wolle das Unternehmen das Angebot weiter aufrecht erhalten, um für ” diejenigen da zu sein, die beispielsweise zum Arzt, zur Arbeit oder zu einem anderen nicht aufschiebbaren Termin müssen.”
  • Der Sprecher erklärt außerdem: “Dabei befolgen wie alle nötigen Vorgaben der Bundesregierung und informieren sowohl unsere Fahrer als auch unsere Fahrgäste engmaschig über Verhaltensregeln und mögliche Schutzmaßnahmen.”
  • UPDATE (8.4.2020): FreeNow teilte mit, dass das Unternehmen in Städten mit noch immer nennenswerten Taxibetrieb 500 Taxis mit durchsichtigen Trennscheiben aus Kunststoff ausstatten lassen. Die ersten Lieferungen gingen demnach nach Berlin, Düsseldorf, Essen, Frankfurt am Main, Hamburg, Köln, München und Stuttgart. In den kommenden Wochen sollen weitere Städte folgen. Außerdem will man den Partnerunternehmen Desinfektionsmittel, Latexhandschuhe und Mundschutzmasken zur Verfügung stellen.
Die Trennscheiben werden mit Kabelbindern an den Kopfstützen befestigt. Credit: FreeNow

CleverShuttle zu den Auswirkungen des Coronavirus:

  • Beim Ridesharing-Anbieter CleverShuttle sei die Nachfrage tagsüber nach wie vor gut, wie ein Sprecher zu MOViNC sagt. “Ein spürbarer Rückgang ist für die Nacht- und Abendstunden sowie für das Wochenende zu verzeichnen. Seit Beginn der letzten Woche ist die Nachfrage insgesamt um etwa 50 Prozent gesunken”, erklärt er.
  • CleverShuttle habe sein Angebot entsprechend angepasst. Personen, die in systemrelevanten Berufen tätig sind, bekommen vom Unternehmen 50 Euro Guthaben zur Verfügung gestellt.
  • Außerdem setze man verstärkt auf eine Glas-Trennscheibe zwischen FahrerInnen und Fahrgästen. Als Sofortlösung sollen transparente Plastikplanen die Menschen in den CleverShuttle-Fahrzeugen schützen.
Mit transparenten Plastikplanen will CleverShuttle FahrerInnen und Fahrgäste vorübergehend schützen. Credit: Finn Fredeweß

MOIA zu den Auswirkungen des Coronavirus:

  • Auf der Website von MOIA kündigt der Ridesharing-Dienst an, sein Angebot in Hamburg und Hannover ab dem ersten April vorübergehend einzustellen. Demnach hätte sich die Nachfrage nach Fahrten drastisch reduziert und man rechne mit einem weiteren Rückgang der Nachfrage.
  • Man wolle so Mitarbeitende schützen und Entlassungen vermeiden. In den kommenden Tagen werde das Angebot deshalb schrittweise reduziert.
  • MOIA hat April für seine rund 900 Mitarbeitenden Kurzarbeitergeld beantragt.

Zum Thema: Coronavirus: So reagieren deutsche E-Scooter-Anbieter – der Überblick

UPDATE (27.03.2020): Uber zu den Auswirkungen des Coronavirus:

  • Zu einer Nachfrageentwicklung wollte ein Sprecher von Uber gegenüber MOViNC keine genauen Angaben machen. Das Kontaktverbot und die Aufforderung, möglichst zu Hause zu bleiben, hätten einen entsprechenden Effekt auf alle Mobilitätsangebot, sagt er.
  • Weiter erklärte er, dass das Unternehmen “seine Partner-Unternehmer und FahrerInnen mit Informationen zu Krankengeld, staatlichen Förderungen oder Kurzarbeitszeit-Modellen, andererseits natürlich mit Aufträgen” versorge.
  • Sorgen um die Mobilitätsbranche im Allgemeinen macht man sich bei Uber nicht. Gegenüber MOViNC sagt der Sprecher dazu: “Sobald das öffentliche Leben in unseren Städten wieder zunimmt, wird auch der Mobilitätsbedarf wieder zunehmen.”
  • Update (2.4.2020): Uber hat sich in Hamburg mit der Stadt zusammengetan, um das Mobilitätsangebot trotz der Einschränkungen im öffentlichen Nahverkehr aufrecht zu erhalten. Nun fahren die Autos von Uber nachts als HVV-Taxis mit einem vergünstigten Tarif. Wer ein gültiges HVV-Ticket hat, der zahlt – für eine Fahrt innerhalb des Stadtgebiets – zwischen Mitternacht und 6 Uhr 4 Euro pro Fahrt. Damit will das Unternehmen vor allem die Menschen unterstützen, die in Nacht-und Frühschichten arbeiten, heißt es in einer Mitteilung.

Miles zu den Auswirkungen des Coronavirus:

  • Der Sprecher vom Carsharing-Dienst Miles spricht gegenüber MOViNC von einer außergewöhnlichen Situation, auf die sich die Anbieter nun schnell einstellen und mit neuen Angeboten reagieren müssen. Er erklärt: “Wenn die Menschen zuhause bleiben, nutzen sie logischerweise auch weniger unseren Service. Das ist für uns wirtschaftlich eine schwierige Situation, aber auch eine machbare. Obwohl wir die Reinigung und Desinfektion unserer Fahrzeuge erhöht haben und unser Team alles daran setzt, die Flotte sauber zu halten, scheuen viele Menschen momentan das Teilen von Autos.”
  • Das Unternehmen hat deshalb nun ein günstiges Angebot für alle Menschen, die mobil bleiben müssen. In Berlin und Hamburg wurde das Geschäftsgebiet zudem temporär auf die gesamten Länder erweitert. Außerdem plant man einen Open Call für gemeinnützige Initiativen und Einrichtungen, die bei der Situationsbewältigung helfen wollen und dafür mobil sein müssen, auszurufen.

WeShare zu den Auswirkungen des Coronavirus:

Zum Thema: Flixbus, Uber, Carsharing, E-Scooter: Updates zu Corona – das müssen Sie jetzt wissen

  • “Die Berlinnerinnen und Berliner sind weniger unterwegs”, so ein Sprecher vom Carsharing-Anbieter WeShare zu MOViNC. Er fügt hinzu: “Nichtsdestotrotz verzeichnen wir eine stabile Nachfrage und daraus schlussfolgern wir, dass Carsharing weiterhin ein wichtiger Teil des Mobilitätsangebots in der Stadt ist.”
  • Mehrere reduzierte Preisangebote sollen den Menschen weiterhin Mobilität ermöglichen. Außerdem sei man mit verschiedenen Krankenhäusern und Organisationen in Kontakt und schließe Partnerschaften. So habe man das Geschäftsgebiet vorübergehend um Krankenhausstandorte erweitert, um dem medizinischen Personal in Berlin eine Anbindung an Carsharing zu ermöglichen, Mitarbeitende der Charité in Berlin erhalten täglich einen Voucher über zehn Euro pro Tag und die Arche, die Berliner Tafel und die Aktion #kochenfürhelden werden bei der Auslieferung von Nahrungsmitteln unterstützt.

UPDATE (30.03.2020): Cambio zu den Auswirkungen des Coronavirus:

  • Eine Sprecherin von Cambio sagt MOViNC, dass das Unternehmen deutlich weniger Buchungen von Firmenkunden habe. “Das liegt daran, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Homeoffice arbeiten und keine Kundenbesuche mehr stattfinden. Auch privat motivierte Fahrten gibt es weniger, zum Beispiel Urlaubsfahrten in den Osterferien.”
  • Weiter erklärt sie, dass Cambio den KundInnen, die weiterhin täglich zur Arbeit oder zur Versorgung ihrer Verwandten auf ein Mobilitätsangebot angewiesen seien, günstige Langzeitbuchungen angeboten werden würden.
  • In welcher Höhe die Buchungszahlen insgesamt durch die Corona-Pandemie bei Cambio zurückgegangen sind, teilt die Sprecherin nicht mit.

ShareNow hat bislang nicht auf die Anfrage von MOViNC reagiert.

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