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Mobilität nach Corona: „Keine Stadt würde es vertragen, wenn alle zurück in den PKW flüchten“

Wie gehen die Anbieter von E-Scootern mit der Corona-Pandemie um? Credit: Tier, Lime, JumpDas Mobilitätsverhalten der Menschen ändert sich. Credit: Tier, Lime, Jump

Die Corona-Pandemie hat das Mobilitätsverhalten der Menschen vor allem in den Städten verändert. Doch was sind die bisherigen Learnings aus der Krise und wie blickt die Branche in die Zukunft?

Wie kann eine städtische Mobilität in der Zeit nach der Corona-Pandemie aussehen? Dieser Frage stellten sich ExpertInnen aus Wirtschaft, Verwaltung, Wissenschaft und Gesellschaft in einer Online-Veranstaltung. Die ExpertInenn-Runde ist sich einig: Im städtischen Raum kann Corona als Beschleuniger und damit als Chance für die Verkehrswende gesehen werden. Fabian Ladda vom E-Scooter-Unternehmen Lime sagt, man müsse jetzt den Rückwärtstrend zum Auto aufheben, denn: „Keine Stadt würde es vertragen, wenn jetzt alle zurück in den PKW flüchten“.

Pop-up-Radwege in Berlin: „Gekommen, um zu bleiben“

Was sonst mindestens zwei Jahre dauert, ging in den vergangenen Wochen ganz schnell: Im innerstädtischen Bereich in Berlin entstanden innerhalb weniger Tage sogenannte Pop-up-Radwege. Sie sehen aus, wie Baustellen auf der Fahrbahn, stecken aber ab, wo künftig ohnehin Radwege entstehen sollten. Felix Weisbrich, der Leiter des Straßen- und Grünflächenamtes, Friedrichshain-Kreuzberg erklärt, dass nach der jetzigen Planung etwa 90 Prozent dieser Radwege auch dauerhaft baulich umgesetzt werden sollen. Oder, wie es die Mobilitätsforscherin Dr. Sophia Becker vom Institut für transformative Nachhaltigkeitsforschung in Potsdam, zusammenfasst: „Sie sind gekommen, um zu bleiben“.

Sie ergänzt, dass Corona vor allem im Bereich des Radverkehrs lediglich einen Trend beschleunigen würde, der ohnehin schon vorher dagewesen sei. Die Forscherin fordert deshalb für die Zeit nach Corona einen Ausbau des Radverkehrs, eine Flexibilisierung des ÖPNVs und ruft zum experimentieren auf, um das Auto in den Städten dauerhaft zurückzudrängen. Denn: Eine Gelegenheitsstichprobe ihres Institus ergab, dass es den Nutzenden durch die Corona-Pandemie leichter fällt, vom ÖPNV und Auto auf das Rad umzusteigen.

Kreative Ansätze nötig

Die ExpertInnen sind sich einig: Um den privaten PKW aus den Städten zu verdrängen und das Mobilitätsverhalten der Menschen dauerhaft zu ändern, braucht es kreative Ansätze. Beim ÖPNV ist man darauf besonders angewiesen. Sarah Göhler von den Stadtwerken München berichtet von einem Nutzungsrückgang auf bis zu 20 Prozent durch Corona. Inzwischen sei man wieder bei 30 bis 40 Prozent angekommen – auch durch Angebote im Bereich der Shared Mobility wie das MVG-Rad.

Beim E-Scooter-Unternehmen Lime gehe man gestärkt aus der Krise hervor, wie Fabian Ladda erklärt. Seit wenigen Wochen sind die Scooter auf die Straßen einiger Städte in Deutschland zurückgekehrt (MOViNC berichtete) und würde erste Erfolge messen. Lime erklärt sich den Erfolg damit, dass mit den E-Scootern, entgegen einiger Kritik (MOViNC berichtete), Social-Distancing möglich sei. Hinzu kämen das gute Wetter und die Erfahrung, dass die E-Scooter-Nutzung nicht von Touristen abhängig sei.

Basierend auf den weltweiten Erfahrungen, etwa auch in Südkorea oder Wuhan, erwartet Lime einen weiteren Anstieg der E-Roller-Nutzung auch hierzulande. Laut einer Lime-Befragung würden bereits 25 Prozent der Nutzenden den Scooter nutzen, um Fahrten mit dem Auto zu ersetzen und die Scooter auch zeitlich gesehen etwa um ein viertel länger als im Vorjahr in den neuen Corona-Alltag einbauen. Lime kündigt deshalb an, den Verleih kontinuierlich hochzufahren. Außerdem verriet Ladda, dass in man in Berlin darüber spreche, demnächst rund 50 Parkplätze für Autos an Kreuzungen in Parkplätze für E-Scooter umzuwandeln – so gehe man einen weiteren Schritt in Richtung innerstädtischer Verkehrswende.

Zum Thema: EXKLUSIV: Taktlos in Corona-Zeiten: Wie der ÖPNV Abstandsregeln kaum einhaltbar macht

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