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„Fett, faul, behäbig“: So spricht ein Taxi-Fahrer über seine eigenen Kollegen

Das Taxi-Gewerbe ist in der Krise. Foto: Ben Fredericson (xjrlokix) on Foter.com / CC BY-NCDas Taxi-Gewerbe ist in der Krise. Foto: Ben Fredericson (xjrlokix) on Foter.com / CC BY-NC

Seit es Uber gibt, wehren sich die Taxi-Fahrer weltweit gegen ihren neuen und ärgsten Konkurrenten. Das ist auch wenig verwunderlich, da Uber ins Mark des Geschäftsmodells der Branche trifft. Uber vermittelt je nach Service und Land teils private Fahrten, teils Mietwagenfahrten – günstiger, freundlicher und digitaler. Wer soll da noch Taxi fahren?

Die Proteste gingen sehr weit, von Demos und Streiks über das Bespucken von Uber-Fahrern und deren Autos bis hin zur Lobbyarbeit, um dem US-Dienst auch auf gesetzlicher Ebene das Leben schwer zu machen, wie zuletzt in Österreich mit dem „Lex Uber“.

Für viele Taxi-Fahrer steht die Existenz auf dem Spiel. Die Mobilität verändert sich gerade grundlegend. Um von A nach B zu kommen, gibt es stetig mehr Optionen. Längst richten sich die Proteste der Taxi-Branche nicht mehr gegen Uber allein, sondern auch gegen Dienste wie CleverShuttle oder BerlKönig, dem Pool-Taxi der Berliner Verkehrsgesellschaft (BVG).

„Unser Image ist im Arsch“

Während sich die einen unversöhnlich mit den neuen Serviceangeboten zeigen, haben andere erkannt, dass König Kunde durchaus Gründe hat, Taxis angesichts der Alternativen zu meiden. Ein Berliner Taxi-Fahrer zeigt sich auf Twitter ungewöhnlich selbstkritisch und hat seinen Kollegen deutlich und direkt gesagt, was das Problem ist – und warum sich auch Taxi-Fahrer bewegen müssen statt auf die neue, digitale Konkurrenz permanent zu schimpfen. „Unser Image ist im Arsch“, twittert Hauptstadt-Taxi. „Wir sind fett, faul und behäbig.“

„Es geht nicht um Taxi, Uber, Berlkönig und CleverShuttle. Es geht erstmal grundsätzlich darum, dass die Mehrheit einfach von A nach B kommen möchte. Aber jetzt leider zu den schlechten Nachrichten: Unser Image ist IM ARSCH! Und das ist nicht die Schuld von Uber & Co, sondern ganz allein unsere Schuld!“

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Der Berliner Taxi-Fahrer geht auch mit sich selbst hart ins Gericht: „Warum unser Image im Arsch ist, liegt ausschließlich an uns selbst. Wir, und ich nehme mich selbst nicht aus, sind fett, faul und behäbig. Wir haben gedacht, dass alles immer so weiter geht. Und jetzt, wo wir uns plötzlich bewegen müssen, können wir uns nicht mehr bewegen.“

Das Taxi ist der Sarg der Fahrer

In Berlin haben Taxis mit Uber, CleverShuttle und BerlKönig viele Konkurrenten. Foto: Marc Kleen / Unsplash
In Berlin haben Taxis mit Uber, CleverShuttle und BerlKönig viele Konkurrenten. Foto: Marc Kleen / Unsplash

„Wir sind so fett, faul und behäbig geworden, dass wir an der Halte in unserem eigenen Sarg (Auto) stundenlang rumsitzen und alles um uns herum gar nicht mehr wahrnehmen. Wir warten auf die nächste Tour, ohne die Gelegenheit zu nutzen, von Menschen überhaupt angesprochen zu werden. Wir steigen nur zum Rauchen aus, oder wenn wir aufs Klo müssen.“

Hauptstadt-Taxi fragt resümierend. „Wer bitte möchte denn mit uns durch den Spalt eines Autofensters reden? Und wenn das Autofenster trotzdem einen Spalt aufgeht, verbreiten wir schlechte Laune und patzige, einsilbige Antworten. Dies ist keine Kommunikation auf Augenhöhe mit Kunden, die uns unseren Lohn bezahlen sollen. Wir müssen öfter aussteigen, offener sein und vor allem freundlicher.“

Ja, man habe im Moment Frust, aber das sei nicht der Frust der Kunden.

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Kritik an mangelnder bargeldloser Bezahlung im Taxi

Der Fahrer wirkt außerordentlich klar und formuliert eine Außensicht auf die eigene Branche, obwohl er ein Teil davon ist. „Den Menschen ist es egal, mit wem sie fahren. Sie möchten eine angemessene Beförderung und eine unkomplizierte Abrechnung, ob mit Taxi, Uber oder sonst wem.“

Laut seinen Tweets hat der Fahrer für seine Analyse mit 25 Menschen gesprochen. „Von diesen 25 Menschen haben ca. 15 das Thema bargeldlose Zahlung angesprochen. Leute, wie kann es eigentlich sein, dass anscheinend nicht wenige Kollegen immer noch die Kartenzahlung verweigern? Wir sind im 21. Jahrhundert, denkt mal nach!“

Sein fast letzter Tweet in einem Rant aus 25 einzelnen Posts fasst seine Einschätzung noch einmal zusammen:

Jetzt bleibt nur noch abzuwarten, ob genug Taxi-Kollegen sich seine Worte zu Herzen nehmen.

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