Bird folgt Voi und startet nun ein Vielfahrerprogramm. Credit: Bird

Bird will sich mit zweifelhaften Methoden aus der Krise retten

E-Scooter-Anbieter Bird will mit einem Outsourcing-Modell das eigene Geschäft retten. Doch laut einer Recherche sollen die Verträge ein undurchsichtiges Gebührensystem und eine dubiose Ausstiegsklausel enthalten.

E-Scooter-Anbieter Bird will mit einem Outsourcing-Modell das eigene Geschäft retten. Doch laut einer Recherche sollen die Verträge ein undurchsichtiges Gebührensystem und eine dubiose Ausstiegsklausel enthalten.

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E-Scooter-Anbieter Bird gerät immer wieder aufgrund des Umgangs mit den Mitarbeitenden in die Schlagzeilen. Nun zeigt eine Recherche von Business Insider, wie sich das Unternehmen via Outsourcing aus der Corona-Krise befreien will. Die Methoden sollen fragwürdig sein.

Erst im Frühjahr hatte das Unternehmen rund ein Drittel des deutschen Teams aufgrund der wirtschaftlichen Folgen der Pandemie entlassen. Zuvor waren 400 Angestellte in den USA gar via Zoom-Videokonferenz entlassen worden und Bird hatte einen Shitstorm bekommen (MOViNC berichtete).

Wie das Magazin nun berichtet, stellte der E-Scooter-Anbieter etwa zeitgleich sein Geschäftsmodell um. Aufladung, Transport und Wartung der Roller – das alles übernehmen seither Flottenmanager. Diese arbeiten als Subunternehmer, das das Unternehmen verkauft oder least die Roller an sie. Doch die entsprechenden Verträge und Finanzanlagen, die dem Business Insider vorliegen sollen, sollen alles andere als fair sein.

Eine Fachanwältin sagte dem Magazin demnach, dass diese Vereinbarung so ziemlich das Übelste sei, was sie jemals gesehen habe:

Das Verschuldungsrisiko ist extrem hoch.

Rechtsanwältin Andreja Schneider-Dörr zum Business Insider

Ein anonymer Insider ergänzt dazu:

Kurzfristig ist Bird damit profitabel, da sie die Betriebskosten und das Risiko auslagern. Das klingt toll, nur gibt es damit ein Problem: Das McDonald’s-Prinzip funktioniert nur, wenn auch die Franchisenehmer Geld verdienen.

Anonymer Brancheninsider zu Business Insider

Ein anderer Mensch berichtet, dass der tatsächliche Anteil am Profit nicht kostendeckend sein könne und es aus seiner Sicht unmöglich sei, damit Geld zu verdienen. “Sie locken die Leute bewusst in eine Schuldenfalle,” ergänzt er. Diesen Eindruck bestätigen zwei Juristen, die für das Magazin die Verträge gelesen haben sollen. Was Bird demnach eine branchentypische B2B-Konstruktion nennt, sei ihrer Meinung nach ein auffällig einseitiges Franchisemodell, bei dem Bird die Risiken im vollen Umfang auslagern würde. Hinzu käme, dass die Gebührenstruktur in dem Vertrag unklar und schwer verständlich sei.

Geschäftsmodell von Bird: Wenig Umsatz, volles Risiko

Demnach würde ein Flottenmanager mit rund einem Drittel des Nettoumsatzes beteiligt sein, aber das volle Risiko für beschädigte und verschwundene E-Scooter tragen. Zudem seien due Umsätze abhängig von den Preisen, die Bird laut der Recherche festlegt. Ein Rechtsanwalt sagt, dass Franchise-Unternehmer zwar generell wenig Einfluss auf ein Geschäftsmodell haben würden, eine derartige Festlegung der Preise aber unzulässig sei und den ganzen Vertrag nichtig machen könne.

Hinzu käme, dass eine Ausstiegsklausel sowohl den Franchise-Unternehmern als auch Bird die Möglichkeit geben würde, willkürlich aus dem Vertrag auszusteigen, etwa beispielsweise auch dann, wenn eine E-Scooter-Vermietung nicht mehr erlaubt sei.

Wenn der Flottenmanager die E-Scooter bezahlt hat, eventuell auch Personal eingestellt und eine Infrastruktur für Wartung aufgebaut hat, und dann Bird den Vertrag auf einmal beendet, hat er umsonst investiert.

Rechtsanwalt Martin Niklas, Fachanwalt für Franchiserecht zum Business insider

Ein Sprecher von Bird sagte dem Business Insider, dass man bislang “sehr zufrieden” mit der Resonanz und den “wirtschaftlichen Auswirkungen auf die Unternehmen” sei. Zu etwaigen Details des Outsourcings habe sich das Unternehmen nicht öffentlich äußern.

Zum Thema: Darum gibt es in Freiburg keine E-Scooter

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